Draussen ist es noch fast dunkel. Das Frühstück ist gegessen, der Kaffee dampft in meiner Tasse, und in der Wohnung ist es still. Genau diese Stille liebe ich an den frühen Morgenstunden: Der Tag hat noch nichts von mir verlangt, und ich habe noch nichts von ihm erwartet.

Ich setze mich hin, atme einmal tief durch und nehme mein Kartendeck in die Hände. Es fühlt sich vertraut an, fast wie eine kleine Begrüssung. Ich mische langsam, ohne Eile, und lasse dabei meine Gedanken zur Ruhe kommen. Dann stelle ich meine Frage. Meistens ist dies:

Was ist heute wichtig?

Nicht: Was wird heute passieren? Nicht: Wie läuft mein Tag? Sondern: Was darf ich heute beachten? Wohin darf sich meine Aufmerksamkeit richten?

Die Frage nach dem, was heute wichtig ist, bringt uns zurück in unsere Kraft. Sie lädt uns ein, selbst zu gestalten. Sie lädt uns ein zu erforschen und aufmerksam zu sein.

Der Moment des Ziehens

Ich ziehe eine Karte und lege sie vor mich hin. Wenn möglich deute sie noch nicht. Ich schaue sie nur an. Und fühle: Was löst dieses Bild in mir aus? Wird mein Körper weit oder eng? Spüre ich Wärme, Neugier, vielleicht einen kleinen Widerstand? Bevor mein Kopf anfängt, Bedeutungen zu suchen, höre ich zuerst auf das, was mein Körper mir erzählt. Er weiss oft schon, was die Karte sagen will, lange bevor ich es in Worte fassen kann.

Erst danach lasse ich die Bilder, die Farben und die Worte der Karte zu mir sprechen. Und dann kommt das Beantworten meiner Frage: Was ist heute wichtig? Und manchmal auch: Was bedeutet das für meinen Tag, für mein Business, für das, was heute vor mir liegt?

Eine Landkarte

Eine Tageskarte sagt mir nicht, was ich tun muss. Sie zeigt mir ein Thema, eine Qualität, einen Fokus, der heute besonders wichtig sein kann. Wie ich damit umgehe, entscheide ich selbst. Ein Beispiel. Einmal erkannte ich, dass es an diesem Tag Streit geben könnte. Ich habe das für mich einfach mental notiert. Und als dann am Nachmittag eine schwierige Diskussion auftauchte und es Richtung Streit ging, kam mir die Karte wieder in den Sinn. Ich musste laut lachen. Wir unterbrachen das Gespräch, ich erzählte von der Tageskarte und das hat die ganze Situation entspannt…

An manchen Tagen bestätigt mir die Karte, was ich ohnehin schon spüre. An anderen Tagen zeigt sie mir etwas, das ich gerne übersehen hätte. Und manchmal löst sie genau das Gefühl aus, das mir erklärt, warum mich etwas schon seit Tagen beschäftigt. Dann ist die Karte wie ein Spiegel, der etwas sichtbar macht, was mein Alltag sonst überdeckt.

Gerade diese unbequemen Karten sind oft die wertvollsten. Denn manchmal zeigt mir eine Karte auch, wo ich hinschauen darf. Wo es ein Muster gibt, das ich auflösen kann. Manchmal ist an einem Tag das wichtigste «nur», mich diesem Muster zu widmen. Auch wenn das mit meiner Sina-Methode meist in wenigen Minuten erledigt ist. Aber dies gibt mir doch immer auch ein gutes Gefühl. Zu wissen, dass das Wichtigste vom Tag mit einem Musteraufräumen schon erledigt ist, finde ich toll 😊.

Vom Bild zum Business-Tag

Der schönste Teil meines Rituals kommt zum Schluss. Ich nehme mir einen Moment und frage mich: Wie kann ich die Qualität dieser Karte heute in meinen Arbeitstag einladen?

Vielleicht heisst das, einen Termin mit mehr Ruhe zu beginnen. Vielleicht heisst es, eine Entscheidung nicht aus dem Kopf allein zu treffen. Vielleicht heisst es auch, mir heute etwas mehr Raum zu geben, bevor ich mich in die To-do-Liste stürze. Es sind kleine Schritte, aber sie geben meinem Tag eine Richtung, die von innen kommt, statt von aussen vorgegeben zu werden.

Was mir dieses Ritual vor allem geschenkt hat, ist Klarheit. Nicht die Art von Klarheit, die alle Antworten kennt, sondern die Art, die weiss, worauf ich meine Energie heute richten darf. Und das ist oft genau das, was mir früher gefehlt hat.

Dein eigenes Morgenritual

Du brauchst dafür kein besonderes Deck und keine Vorkenntnisse. Was du brauchst, ist ein paar ruhige Minuten und die Bereitschaft, nach innen zu lauschen. Setz dich hin, atme tief durch und stell dir diese eine Frage: Was ist heute wichtig? Ziehe eine Karte, wenn du magst, oder lass einfach ein Gefühl, ein Bild oder ein Wort in dir aufsteigen.

Spüre, was passiert. Vertraue dem, was kommt. Und nimm es mit in deinen Tag.

Manchmal braucht es nicht mehr als diesen kleinen, stillen Moment am Morgen, um den Tag in die richtige Richtung zu lenken. Oder den Tag einfach in Ruhe zu starten.

Fragen zum Nachdenken:

  • Wie startest du in deinen Tag? Gibt es einen Moment nur für dich, bevor die Welt etwas von dir will?
  • Welche Frage würdest du dir morgens stellen, um Klarheit für deinen Tag zu bekommen?
  • Was in dir wehrt sich vielleicht gegen innere Stille am Morgen, und was würde sich verändern, wenn du ihr trotzdem Raum gibst?
Autorin: Sina Schmid

Die Autorin: Sina Schmid

Ich liebe es, Strategie und Energie zu verbinden, denn so entstehen wahre Wunder. In diesem Blog nehme ich dich mit auf eine spannende Reise und zeige dir andere Perspektiven auf die Welt des Unternehmertums.

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